Was ist Elektronegativität?
Die Elektronegativität (abgekürzt EN) beschreibt, wie stark ein Atom in einer chemischen Bindung die gemeinsamen Elektronen zu sich zieht. Ein Atom mit einer hohen Elektronegativität zieht Elektronen stark an, während ein Atom mit einer niedrigen Elektronegativität Elektronen leicht abgibt.
Die Pauling-Skala
Die gebräuchlichste Skala zur Messung der Elektronegativität wurde von Linus Pauling entwickelt. Sie ist einheitslos und reicht von ca. 0,7 bis 4,0:
- Fluor (F): Ist mit einem EN-Wert von 4,0 das elektronegativste aller Elemente.
- Caesium (Cs) & Francium (Fr): Haben mit 0,7 die geringste Elektronegativität.
Trends im Periodensystem (Periodizität)
Die Elektronegativität folgt klaren Regeln im PSE:
- Von links nach rechts (in einer Zeile): Sie nimmt zu. Die Kernladung (Protonenzahl) steigt, wodurch die Elektronen stärker angezogen werden.
- Von unten nach oben (in einer Spalte): Sie nimmt zu. Die Anzahl der Schalen verringert sich, sodass die positive Kernladung näher an den Bindungselektroden liegt.
- Edelgase: Da sie stabile Oktettkonfigurationen aufweisen, gehen sie fast nie Bindungen ein und besitzen daher in der Pauling-Skala keine definierten Werte.
Bedeutung für chemische Bindungen
Die Differenz der Elektronegativitätswerte (ΔEN) bestimmt den Bindungscharakter:
- ΔEN < 0.4 (Unpolare kovalente Bindung): Die Elektronen werden gleichmäßig geteilt (z.B. in Kohlenwasserstoffen, C-H).
- 0.4 ≤ ΔEN < 1.7 (Polare kovalente Bindung): Die Elektronen sind zu einem Atom hin verschoben, es entstehen Teilladungen (z.B. in H2O).
- ΔEN ≥ 1.7 (Ionenbindung): Ein Atom gibt sein Elektron vollständig an das andere ab, es entstehen Ionen (z.B. in NaCl / Kochsalz).